Fastnacht: 91-Jährige tanzte Walzer in der Waschküche

Haseloff Bei der Fastnacht in Haseloff war diesmal der Bär los. Schon am Freitag hat Rainers Rock Band die gut 100 Gäste überrascht. Statt Volksmusik und Schlager im  3/4-Takt gab es im Saal das Gasthauses „Am Wachtelberg“ härtere Klänge von ZZ Top, AC/DCDeep Purple & Co. Der Sound klingt den Haseloffern immer noch im Ohr! Nur gut, dass DJ Nico zum Kindertanz am Sonnabend verpflichtet war. DJ Nico hat für ordentlich Stimmung unter den Kleinen mit ihren Müttern, Vätern und Großeltern gesorgt. Jedenfalls hat es allen viel Spaß gemacht.

Der Spaß und die Freude sind beim Zimpern am Sonnabend auch nicht zu kurz gekommen. Die Fastnachtgesellschaft präsentierte stolz ihren neuen Zimperwagen. Das vorherige Exemplar war im vergangenen Jahr unter der Last des Zimpergutes zusammengebrochen.  „Das ist ein Import aus der Havelstadt Brandenburg“, stellten Michael Bölke und Marius Kolzenburg den neuen Zimperwagen vor. Er war von der Haseloffer Jugend heimlich in Kolzenburgs Schmiede aufgerüstet und erst am Sonnabend öffentlich präsentiert worden. Zuvor hatten die Akteure Spannung aufgebaut und in der Haseloffer Whatsapp-Gruppe lediglich verkündet: der Zimperwagen ist fertig!

Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen. Nicht umsonst wurde er von jeweils einem“DDR-Vopo“ (Volkspolizisten) und einem NVA-Soldaten – Michael Bölke und Marius Kolzenburg – streng bewacht. Der ehemalige Einkaufswagen mit Ein-Euro-Stück als Pfandmarke – war reichlich mit Tannengrün geschmückt und bot so die Tarnung für die (Silvester-)Raketen-Abschuss-Station und hölzerne Schreckschuss-Waffe,  die – so versicherten die Vopos – nicht bei einer „Schießerei“ am frühen Neujahrsmorgen in Niemegk zum Einsatz gewesen ist. Dafür war das Gewehr schon Requisite bei einem Mopedtreffen in Österreich.

Der neue Zimperwagen bietet auch Schutz. Ein Schirm schirmt nicht nur vor ungewollter Strahlung, sondern „er schützt unsere Getränke vor Regen“, erklärte Michael Bölke besorgt. Und ganz vorn am Zimperwagen prangte das Maskottchen von Fußball-Idol Miroslav Klose.  Dort, wo Stürmer Klose war, war für die Haseloffer am Sonnabend vor. Freilich haben die Platzmeister Mirko Stahlberg und Matthias Benke die lustige Gesellschaft angeführt, begleitet von der Kapelle um den Nicheler Alfred Argow – mit 85 Jahren dem „Ur-Gestein“ der „Fläming-Combo“.

Je mehr sich der Zimperwagen füllte, um so mehr wurden die Schwächen des neuen Fastnachts-Gefährts deutlich. Die Räder waren für die holprige Nebenstraße zu klein und in der Haseloffer Lücke musste der Wagen sogar (ab)geschleppt werden – vorbei am einzige Schwimmingpool des Dorfes.

Überall wurde die Haseloffer Fastnachtsgesellschaft herzlich begrüßt. Es gab Schnittchen und Kuchen satt, an Schnaps und Bier wurde nicht gespart. Gemeinsam wurde getanzt, geküsst und geschunkelt. Das obligatorische Erinnerungsfoto wurde an der Mühle „geschossen“. Leider präsentierte sie sich ohne Flügel, die bei einem Sturm im Frühjahr 2018 Schaden genommen hatten. Außerdem prangt nun dort ein Schild „zu verkaufen“.

Die Fastnachtsgesellschaft zog an den „neuen Häusern“ vorbei, da kamen Kolzenburgs ganzer Stolz im „Doppeldecker“ entgegen. Die Zwillinge Til und Tom hatten es sich im Kinderwagen gemütlich gemacht  und stellten sich dem närrischen Volk vor.  Es hatte schon weitere Kinderwagen in ihrer Mitte, etwa mit dem wenige Wochen jungen Linus und der etwas älteren Isa – dem jünsten Sproß von Platzmeister Mirko Stahlberg. „Die jungen Leute müssen frühzeitig lernen, wie in Haseloff gezimpert wird“, meinte der 40-Jährige, der mit 16 Jahren erstmalig und inzwischen zum siebenten Mal Platzmeister ist.

Schließlich hieß es: Auf in Kolzenburgs Waschküche! Dort war die alte Kochmaschine schon kräftig angeheizt worden, der Glühwein heiß und der frische Speckkuchen aufgeschnitten. Für die Stärkung der Musiker war alles perfekt organisiert. Nur Oma Wanda fehlte! Kurz entschlossen holte Mirko Stahlberg die rüstige Seniorin. „Greift zu, frischer Speckkuchen“, pries die 91-Jährige ihr Backwerk an. Schließlich stand sie in der Runde und wagte mit Platzmeister Mirko einen Walzer in der Waschküche.

Hier ein paar Eindrücke:

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Author: Gunnar Neubert

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