Widerstand zum neuen Wohngebiet „Am Weinberg“

Niemegk Das mögliche Wohngebiet „Am Weinberg“ in Niemegk ist in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses (21. Mai 2019) gerade erst beraten und befürwortet worden. Da formiert sich bereits Widerstand gegen das Vorhaben. Michael Niemczik hat ein schriftliches Widerspruchsschreiben an Amtsdirektor Thomas Hemmerling und Bauamtsleiter Thomas Griesbach eingereicht (Das Widerspruchsschreiben liegt dem Niemegker Blog vor). –   Im Bild: Ein Plan, wie groß das Wohngebiet „Am Weinberg“ in Niemegk werden soll. –

Zur Erklärung: Michael Niemczik wohnt auf dem Weinberg und weiß um die Unterstützung der Mehrheit seiner Nachbarn und weiterer Niemegker. Des Weiteren werden auch Naturschützer und Waldliebhaber seine Bedenken teilen, die er in seinem Schreiben nennt. Es soll den Auftakt von einer Protestaktion sein, in der auch Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt werden sollen.

Das mögliche Wohngebiet „Am Weinberg“ soll über die Möglichkeiten des § 13b BauGB (Einbeziehung von Außenbereichsflächen in das beschleunigte Verfahren) entwickelt werden. Das Verfahren räumt den Kommunen bereits seit 2017 und längstens bis Ende 2019 mehr Handlungsspielraum ein. Nur in Niemegk ist davon bis jetzt nicht Gebrauch gemacht worden.

In seinem Schreiben wendet sich Michael Niemczik im Kern dagegen, dass auf dem Weinberg ein Waldgebiet von 27.000 Quadratmetern einfach abgeholzt werden soll, um dort zukünftig Eigenheime entstehen zu lassen. „Das ohnehin im ehemaligen Tontagebaugebiet geplante und im Flächennutzungsplan ausgewiesene Wohngebiet ‚Lärchenwäldchen‘ wird als Alternative garnicht erst in Betracht gezogen“, beklagt Niemczik. Bauamtsleiter Griesbach habe zur Antwort gegeben, dass nur Flächen mit einer maximalen Größe von 25.000 Quadratmetern als Baugebiet ausgewiesen werden dürfen und die Unternehmerfamilie Pietrucha einer Bebauung unter 50.000 Quadratmetern nicht zustimmen würde.

                                                                                                                                                                                                                    Quelle Amt Niemegk

Der Darstellung Griesbachs hat Ulrich Pietrucha widersprochen. „Weder der Bürgermeister noch der Bauamtsleiter haben bis gestern mit uns gesprochen“, sagte Pietrucha heute Abend.  Sehr wohl sei die Unternehmerfamilie bereit, sich bei der Schaffung eines Wohngebietes zu helfen. Ein solchen Vorhaben sei immer angekündigt worden. Mit dem „Lärchenwäldchen“  gebe es sogar erste Pläne, die bei der Entwicklung der 27000 Quadratmeter Wohnbaufläche eingebracht werden könnten. „Wir sind bereit uns einzubringen. Das haben wir immer gesagt. Dazu stehen wir“, sagte Ulrich Pietrucha.

Auch Michael Niemczik erinnert sich, dass im Zuge der Rekultivierung des Tontagebaus auch die dortige Errichtung von Wohngebieten als Ziel von der Stadt Niemegk und der Familie Pietrucha genannt worden war. Durch die Bebauung des rekultivierten Tontagebaues wäre eine Aufwertung dieser Fläche gegeben und auch die Einflüsse auf die Anwohner und Umwelt deutlich gemindert.

„Niemegk ist im Stadtgebiet von Wiesen- und Ackerflächen umgeben“, erklärt der Forst- und Argrarspezialist. Das einzige Waldgebiet im Wohngebiet „Am Weinberg“ dürfe keinem kritischen und überteuerten Baugebiet weichen.

Zumal würden die im Planungsverfahren ausgewiesenen Waldflächen hohe Schutzfunktionen auf – Bodenschutzwald (Wald auf erosionsgefährdetem Standort – 2100)
2.) Klimaschutzwald (Lokaler Klimaschutzwald – 3100)

„Der östlich von Niemegk gelegene Windpark ist vom Weinberg bei Ostwind schon jetzt gut hörbar, bei einer Rodung des Waldes wäre die Belastung um ein Vielfaches höher“, argumentiert Niemczik. Dies würde noch mehr an Bedeutung gewinnen, wenn sich Bürgermeister Hans Joachim Linthe – wie im Rbb-Fernsehen dargelegt – noch weitere Windräder wünscht.

Michael Niemczik weiter: „Der Wald hat auch hier eine gewisse Schutzfunktion. Zudem gibt es ein massives Waldsterben, auch in unserer Region, wobei die Fichte in absehbarer
Zeit verschwinden wird und auch die Kiefer aktuell mit der enormen Trockenheit zu kämpfen hat. Der betroffene Wald hat sich in den letzten Jahren teilweise von einer Monokultur zu Mischwald
umgewandelt und zeigt keine Schädigungen. Gerade deshalb ist das Vorhaben nicht nachvollziehbar und abzulehnen.“

Für eine Bebauung des Waldgebiets „Am Weinberg“ müssen entsprechend hohe Ausgleichsersatzmaßnahmen geleistet werden, die wirtschaftlich und ökologisch absolut fraglich seien. Es seien erhebliche  Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt zu erwarten. Die nachteiligen Auswirkungen in Bezug auf Boden und Wasser können selbst mit den angedachten
Maßnahmen nicht ausgeglichen werden.

Tipp: Am Freitag, den 14. Juni, findet um 18 Uhr im Kulturhaus Niemegk eine Einwohnerversammlung zum Thema Wohngebiet „Am Weinberg“ statt.

 

Author: Gunnar Neubert

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