Viele Trecker, Quark-Omas und eine Pellkartoffelpanne

Das Treckertreffen zum Dorffest in Groß Marzehns war am Sonnabend wieder ein voller Erfolg. „Um 13 Uhr haben wir 103 Trecker rund um unseren Dorfteich gezählt. Dazu kamen noch fünf Oldtimer-Autos und 1 Krad“, berichtet Marion Wassermann sichtlich stolz. Die Chefin der Groß Marzehnser Treckerfreunde managt das Treffen alle zwei Jahre und hatte diesmal das Ziel, die Marke von 100 Schleppern zu knacken.“Das haben wir geschafft“, konstatierte sie zufrieden.

In der Folgezeit gab es ein kommen und gehen. Der wohl letzte Trecker trudelte gegen 15.30 Uhr ein – Mann, Frau und Hund entstiegen dem historischen Gefährt. Augenscheinlich kamen viele Treckerfreunde aus Sachsen-Anhalt. Verwunderlich ist das freilich nicht, weil die Landesgrenze unweit verläuft. Einige Treckerfreunde, wie jene aus Nudersdorf, kommen sogar mit einem Gespann. Der alte Trecker wird vor einem Wohnwagen gespannt, bereits am Freitag anzureisen und in Groß Marzehns zu übernachten. Die Gespann-Fahrer bilden dann eine Wagenburg, holen Stühle und Tische heraus, um bei Fachgesprächen ein Bierchen zu zischen.

Mit schwerem Gerät reisten auch diesmal die Schrauber vom Bauernmuseum Zahna an. Sie kamen mit einer Auswahl von Lanz-Bulldog-Traktoren aus den 1920er Jahren sowie Traktoren aus DDR-Produktion nach Groß Marzehns getuckert. Da sie ein Augen- und Ohrenschmaus für jedermann sind, waren die Maschinen immer dicht umlagert. „21 Trecker zeigen wir in unserem Museum“, sagt Arthur Möbius. Der fast 80-Jährige sorgt sich bereits, wer all die Traktoren und Landmaschinen einmal weiter pflegen wird. Es fehlt wie anderen Bereichen auch der Nachwuchs.

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Trotzdem ruft Marion Wassermann dem Zahnaer Gast zu: „Wir sehen uns am ersten Septemberwochenende zum Ernte- und Stadtfest in Zahna!.“ Die Groß Marzehnser Treckerfreunde sind dort schon über Jahre gern gesehene Gäste, gegenseitig wird eine Freundschaft gepflegt.

Überall um den Groß Marzehnser Dorfteich gab es kleine Schauvorführungen. Dorfbewohner Heinz Brandenburger kurbelte seinen Eigenbau-Trecker mit 6 PS mit der Hand an. Erst nach dem zweiten Versuch tuckelte er vor sich her. „Jetzt geht er nicht mehr aus“, sagte er.

Unterdessen war Siegfried Mahlow auf seine 2 Pferdestärken ebenso stolz. Sie zogen einen Kremser und zeigten Gästen das schmucke Flämingdorf, in dem die Bewohner stets aktiv sind.

Davon zeugten beispielsweise die Darbietungen der Groß Marzehner im Festzelt, das diesmal schon über eine Woche früher stand und noch größer ausgefallen ist. Denn es diente nicht nur für das Dorffest, sondern zuvor auch für die Hochzeitsfeier von Stefan Eiternick und Claudia Heinrich.

Am Sonnabend war das Festzelt für unterschiedliche Aktionen gut. Erst gab es Kaffee und Kuchen sowie Blasmusik der Fläming Musikanten unter Leitung von Dirk Gutewart. Zwischendurch gab es von Ortsorsteher Ralf Rafelt Geburtstagsglückwünsche an Matthias Gerber und ein Dankeschön an Daniela Thiele, die im Ortsbeírat eine „sehr gute Arbeit geleistet“ hat. Dann hatte auch Günter Baaske seine Wahlkampf-Auftritt.

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Und ein ersten Höhepunkt war der Auftritt der Line-Dance-Gruppe. Alle Mitglieder wurden namentlich vorgestellt, wobei Margitta und Ralf Rafelt erstmalig als Uroma und Uropa mitmirkten. Im Festzelt wurde traditionell Treckergottesdienst mit Pfarrer Daniel Geißler gefeiert. Mit dabei war das „Traktorlied“, das der verstorbene Pfarrer Martin Gestrich aus Bad Belzig für die Groß Marzehnser gedichtet hat.

Schließlich wurde im Festzelt für die Tombola geworben, deren Reinerlös für die Wiederherrichtung des Jugendklubs bestimmt ist. Später hatten auch die Kinder- und Jugendgruppe sowie die Kulturgruppe Groß Marzehns ihren Auftritt.

Die Versorgungsstände – unter anderem der Firma Müller aus Ziezow –  waren gut frequentiert. Gleich neben dem Grill rief Wenke Schulze voller Inbrunst: „Es sind noch zwei Portionen Quark da!“ und machte damit auf ein Novum in der Dorffestversorgung aufmerksam. Pellkartoffeln und Quark mit Raps-, Chili- oder Knoblauchöl aus Rädigke gehören zum Treckertreffen, wie die Schmiere an den Händen der Schlepperfreunde. Wenn sie die weite Anreise ins Dorf bewältigt haben, gibt es als Belohnung die Essenmarke für eine Portion Quark – ausgehändigt von den „Quark-Omas“ Katrin Jentsch, Katja Schulze, Wenke Schulze und Ruth Lühnsdorf.

Die Omas werden freilich mit Thomas Schäl ergänzt. Der Handwerksrmeister tauscht zum Dorffest regelmäßig die Mauerkelle mit dem Schöpflöffel, mit dem die Kartoffeln aus dem Dämpfer entnommen werden. Und beinahe jedes Jahr muss Thomas Schäl mit Hindernissen rechnen, wenn er die ehrenvolle Aufgabe übernimmt. So wie diesmal: Wie gewohnt wurden zwei Dämpfer voller Kartoffeln angesetzt, die eigentlich um 10.30 Uhr fertig sein sollten. Aber weit gefehlt, um 10 Uhr ergab ein prüfender Blick, dass die Erdäpfel längst nicht gegart sind. Ein Defekt hatte die Sicherung im Dorfgemeinschaftshaus springen lassen. Nun war guter Rat teuer. Thomas Schäl wusste sich zu helfen. Zwei Gänsebräter mussten her, um die Kartoffen zu kochen. So gelng es die Treckerfreunde mit einer großen Portion Quark mit Pellkartoffeln zu versorgen, ganz nach dem Motto: Quark macht stark!

 

Author: Gunnar Neubert

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