Ein Hauch Theodor Fontane in Niemegk

Niemegk Der Niemegker Blog erweitert sein Angebot um Nachrichten aus der Geschichte der Stadt Niemegk. Für diese Rubik wird Stefan Pirnack als Autor tätig sein. Der pensionierte Lehrer erforscht mit Akkuratesse die Historie unserer Ackerbürgerstadt. Seine Erkenntnisse fasst Stefan Pirnack in Broschüren zusammen.  Seine Beiträge sind unter der im Aufbau befindlichen Rubrik „Historisches“ auf dem Niemegker Blog nachzulesen. Zum Auftakt hat Stefan Pirnack einen Beitrag zu 200 Jahre Theodor Fontane geschrieben:

Während seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg streift Fontane mehr oder weniger am Fläming vorbei. So richtig zur Mark gehörte der Fläming ja auch erst seit 1815. Bis dahin war er
Zankapfel zwischen Sachsen und Brandenburg. Niemegk war eine Grenzstadt. So ist es ein besonderer Glücksfall, dass sich die Tochter des mit Fontane befreundeten Franz Ferdinand Grimm (1) im Jahre 1874 mit dem frischgebackenen Diakon Rüthnick in Niemegk verlobt. Fontane nutzt die Gelegenheit und widmet der Braut ein kleines Gedicht, in welchem auch die Stadt erwähnt wird: (2)

„An Anna Grimm
Zur Verlobung am 11. September 1874

Niemegk an der Grenze sich schmiegt
Des südlichsten märkischen Stückes;
Hoffen wir, daß seine Pfarre liegt
im Zentrum alles Glückes.“ (3)

 

Im Trauregister der St. Johannis-Kirche Niemegk findet sich der Eintrag zur Hochzeit. Anna Charlotte Elisabeth Grimm heiratet am 1. Dezember 1874 in der St. Lukas-Kirche in Berlin den Diakonus in Niemegk Friedrich Wilhelm Richard Rüthnick. Er ist der Sohn des Hauptlehrers Friedrich Wilhelm Grimm zu Brandenburg. Vater der Braut ist „Grimm, Ferd. Vice-Präsid. d. Ob-Tribunals,
Wirkl. Geh. Ob. Justitzrath.“(4)

Die Hoffnung Fontanes erfüllt sich nicht. Die kleine Familie bleibt kaum zwei Jahre in der Stadt. Rüthnik ist erst ab September 1874 in seiner Stelle nachgewiesen. Mindestens ab Mai 1876 verwaltet
er das Pfarramt in Niemegk, nimmt aber noch im gleichen Jahr Pfarrstelle in Zachow an.“ (5)

Quellennachweise

(1) 1852 Generalstaatsanwalt beim Obertribunal, 1860 Wirkl. Geheimer Oberjustizrat, Kronsyndikus, Mitglied des preuß. Herrenhauses auf Lebenszeit, 1866 Vizepräsident des Obertribunals.
(2) Roland Berbig, Theodor Fontane Chronik, Bände 1 – 5, 2010, Seite 1918: „11. September 1874, Freitag. A zur Verlobung von Anna Grimm mit dem Pfarrer Richad Rüthnick verfasst F das Gedicht Niemegk an der Grenze sich schmiegt … [an Anna Grimm]. Gedichte 3,527
(3) In: Theodor Fontane. Gedichte III. Hg. v. Joachim Krueger und Anita Golz. Berlin 1989, S. 231.
(4) Vgl. Kirchenarchiv Niemegk, Trauregister 1858 – 1909, S. 68, Nr. h.
(5) Vgl. Otto Fischer, Evangelisches Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg, Bd. 1., Berlin 1941, S. 725.